Chronik des WSV Bad Freienwalde bis 2003

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Umsonst wird Theodor Fontane Bad Freienwalde wohl kaum eine „Bergstadt“ genannt haben. Gewiss kam auch er, der geübte Wanderer, bei Höhenunterschieden bis zu 150 Metern ins Schnaufen und Schwitzen. Denn Die Oberbarnimer Wälder haben Hügel und Täler, wie man sie eher in Mittelgebirgen vermutet und die, ehe sie steil zum Oderbruch abfallen, wie dafür vorgesehen scheinen, Skisport zu betreiben. Doch der ungemein schmeichelhafte Vergleich mit dem weltbekannten Schweizer Nobelkurort Sankt Moritz ist nicht etwa eine Erfindung oder eine aus Höhenflügen geborene Zukunftsvision des Bad Freienwalder Wintersportvereins. Vielmehr entstand er bereits in den zwanziger Jahren, als sich Rodler und Eisläufer und schließlich sogar Skispringer aus nah und fern mitten im Brandenburgischen tummelten. Schon einmal hatte den Freienwaldern eine große Stunde geschlagen. 

1683 wurde eine Heilquelle entdeckt, die viele Krankheiten zu lindern vermochte und die selbst Kurfürst Friedrich Wilhelm gegen seine Wehwehchen nutzte. Wohl mit Erfolg, denn er selbst begründete ein Jahr später den Freienwalder Gesundbrunnen. Den dazu passenden schönen Kurpark hat natürlich kein anderer als der große Gartenbaumeister Lenne für seine Zeitgenossen und die Nachwelt geschaffen. Seit im ausgehenden 19. Jahrhundert die Freienwalder auch das heilende Moor entdeckten und sich herumsprach, wie wunderschön die Umgebung ist, avancierte der Ort zum beliebtesten Kur- und Bäderziel der Berliner.

1924 wurde er endlich mit der offiziellen Bezeichnung „Bad“ als Kurort anerkannt. Nach wie vor sind alle, die an Rheuma, Gicht oder Erkrankungen des Bewegungs-apparates leiden, in Bad Freienwalde an der richtigen Adresse. Die mineralstoffrei-chen und hochzersetzten Moore haben große Heilwirkung und reichen für mindes-tens weitere hundert Jahre. Wessen Bewegungsapparat dann wieder genesen ist, der trachtet umgehend nach passendem Tun, oder will zumindest anderen bei ihrer beweglichen Tätigkeit zusehen. Also bauten die Kurstädter 1923 die so genannte Papengrundschanze. Zu den Wettkämpfen reisten in den zwanziger Jahren Tausende Besucher in Sonderzügen an. Später trainierte auf ihr sogar der Norweger Birger Ruud für die Olympischen Winterspiele 1932 und 1936, wo er schließlich die Goldmedaillen gewann.

Anfang der fünfziger Jahre wurde die Schanze noch für internationale Wettkämpfe ausgebaut, doch es fiel immer weniger Schnee und an Matten war damals noch nicht zu denken. Im März 1958 fand der letzte Sprunglauf statt. Dann geriet die Schanze schlicht in Vergessenheit. Nur ein paar alte Betonstützen ragten erinnernd in den märkischen Wald.

Die Steuersekretäre Bertholt Selchow und Walter Barndt, der Malermeister Franz Rathbauer, der Kaufmann Adolf Hane, der Steuerinspektor Ewald Jurtschat und andere sportbegeisterte Freienwalder hoben im Jahre 1923 den Wintersportverein aus der Taufe. Der Verein betrieb Rodeln, Eis- und Skilauf sowie Tennis und Hockey. Schon ein Jahr später fand vom 12. bis 14. Januar 1924 in Freienwalde der 1. Märkische Wintersporttag statt. Mit der Eisenbahn kamen die Zuschauer und Akti-ven in solchen Massen, wie sie die Stadt bis dahin nicht gesehen hatte. Die Veran-staltung bei herrlichem Winterwetter soll insgesamt 10.000 Besucher gehabt haben, ein Rekord, der danach nie wieder erreicht wurde. Die alte Kur- und Badestadt war sozusagen ausverkauft.

Für Freienwalde, Berlin, die Mark Brandenburg und ganz Norddeutschland war die-ser Wintersporttag eine Sensation. Zum ersten Mal fand Skispringen auf einer eigens dazu präparierten Schanze statt, obwohl sie wegen plötzlich einsetzenden Frostes nicht ganz fertig gestellt werden konnte. Daher errichtete man am Steilhang zum Papengrund einen Schneehügel als Schanzentisch. Neun Springer traten zum Wettkampf an und standen Sprünge bis 10 Meter. Freienwalde hatte gezeigt, dass es sich als Wintersportplatz sehr gut eignet. 

In den Freienwalder Bade-Nachrichten vom 23. August 1924 berichtet darüber der Vorsitzende des Wintersportvereins Freienwalde a. O. Ewald Jurtschat voller Stolz und Hoffnung:
„Es wurde ein Skispringen an einem am Vortage in aller Eile vom Freienwalder Ski-wart gebauten Sprunghügel in den heiligen Hallen vorgeführt. Trotz der ungünstigen Lage, die weite Sprünge von vornherein ausschloss, konnte doch ein schöner ge-standener Sprung von 10 Metern verzeichnet werden, ausgeführt von Theodor Lei-bold (Skiklub Mittelmark-Berlin). Zu einem Schauspringen hat der Hügel seinen Zwe-cken vollauf genügt, und es verdient in der Freienwalder Geschichte festgehalten zu werden, dass hier der erste Sprunghügel der Mark gestanden hat. Hoffen wir, dass der nächste Winter ebenso schneereich ist, dann wird, falls der Wintersportverein bei den Behörden die nötige Unterstützung erhält, ein besserer Schneehügel erstehen, auf dem sich dann die Springer der Mark für ihre Wettbewerbe im Gebirge einsprin-gen können... Vielleicht kommt dann auch die Zeit, wo Freienwalde als Wintersportort anerkannt wird, und wo es dann im Dezember von neuem seine Pforten öffnen muss, um Wintergäste aufzunehmen.“

Der 2. Märkische Wintersporttag wurde 1926 in Buckow veranstaltet. Doch schon der 3. Märkische Wintersporttag wurde wieder in Bad Freienwalde ausgetragen. Das war nach einer witterungsbedingten Pause erst im Jahre 1929 möglich, als ein langer Winter passable Wintersportmöglichkeiten auch im norddeutschen Tiefland bot. Das Skispringen begann am Sonntagnachmittag, dem 20. Januar 1929 um 14:00 Uhr unter dem Beifall von 3000 Zuschauern. Bei idealen Bedingungen wurde an jenem Tage die erste richtige Sprungschanze in Bad Freienwalde eingeweiht, die den Namen „Papengrundschanze“ erhielt. Den 1. Sprung absolvierte deshalb auch das Freienwalder Vereinsmitglied Rathbauer. Aus den Wertungssprüngen gingen allerdings zwei Norweger als Sieger hervor. Erster wurde Aage Zeeland mit einer Weite von 24 Metern vom Berliner Schneeschuhklub, zweiter Niels Abel vom Wintersportverein Rauhreif Berlin. Einige Tage später kam der Deutsch-Böhme Camentz sogar 27,5 Meter weit.

 

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